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Thlaloca

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Kapitel XII

KURS AUSTRALIEN

        Der tatkräftigen Mithilfe von Archie und Joyce West hatten wir es zu verdanken, dass wir in acht Tagen wieder seeklar waren. Was unersetzlich blieb war unser Schlauchboot, welches gleichzeitig unser Rettungsboot war. Die Risse waren zu gross, um es zu flicken. Was nun? In Whangarei kauften wir uns den grössten Traktor-Innenschlauch, den wir auftreiben konnten. Diesen formten wir zu einer Kanuform und nähten ihn so in Segeltuch ein. Wir beide passten gut rein. Brenzlig wurde es nur, wenn wir husteten, dann schwammen wir im Wasser! Grosses Glück hatten wir mit unserem Radio. Nach sechs sorgenvollen Tagen fing es wieder an zu summen; nicht ganz so klar wie früher, aber es ging, und das war erst einmal die Hauptsache! 

Kurs Australien

     Mit einer guten westlichen Brise umsegelten wir Bream Head das letzte Mal. Wir gingen davon aus, dass sich das Wetter nach einer solch stürmischen Periode für einige Tage von der freundlichen Seite her zeigt. Nachdem wir die Three Kings Islands, die nördlichsten Inseln vor Neuseeland, hinter uns hatten, befanden wir uns in der Tasman See, berüchtigt für starke Winde. Aber so sind andere Gewässer auch. Tatsache ist, der letzte Sturm vertiefte unseren Respekt vor Wind und Sturm ganz gehörig.

     Sechzig Seemeilen südwestlich der Norfolk Insel blies es innerhalb einer Stunde Sturm. Mit einem steten Auge luvwärts, denn wir wollten nicht noch einmal von einer schweren See überrascht werden, lagen wir beigedreht. Mit stark gerefften Segeln ging es am folgenden Tag weiter. Ein Besteck ergab, dass der Sturm uns dreissig Meilen zu unsere Ungunsten versetzt hatte. Solch einen grossen Abtrieb hatten wir nicht erwartet, und wir waren echt sauer darüber.

     Als eine trübe Sonne das Ende des Tages verkündete, offenbarte sich ein Schauspiel, das ich in meinem Leben nicht vergessen werde. Der ganze Himmel war ein feuriges, „schmutziges“ Rot, durchzogen mit Zirrostratus Wolken (mare‘s tails). Ich war mir sicher, dass ein Zyklon das Nächste ist. In Gedanken ordnete ich die Massnahmen, die getroffen werden müssen, sollte sich das Wetter in diese Richtung entwickeln. Siggi schlief und ahnte dieses bedrohliche Schauspiel nicht, und ich hoffte innig, sie bleibt davon unberührt, denn sie würde sich, genau wie ich, grosse Sorgen machen. Es sind Momente, die stark an den Nerven nagen, denn man denkt sich alles Mögliche, auch dummes Zeug. Vor allen Dingen dachte ich an meine immer willige und tapfere Siggi und hoffte, dass ich sie immer vor einem undenkbaren Unglück beschützen könnte. Wie leicht haben es doch Einhandsegler, die nur für sich selbst und ihr Schiff zu sorgen haben.

     Anstatt zu einem Zyklons blies sich der Wind zur Flaute aus, die am folgenden Tag das Meer vollkommen beruhigte. Seltsame Geräusche unter dem Boot liessen uns aber keine Ruhe. Ich tauchte, und der Grund offenbarte sich augenblicklich. Drei der zwölf Bolzen, die den Flossenkiel am Boot halten, waren gebrochen und die Muttern der restlichen Bolzen waren alle lose. Genauer gesagt, bewegte sich die Flosse zwischen den zwei Winkeleisen, die an den Rumpf gebolzt sind, hin und her. Wäre nicht die Flaute gewesen, hätten wir es gar nicht bemerkt und hätten sicher den Flossenkiel verloren. Ich bin kein grosser Freitaucher, und die erforderliche Arbeit, um die losen Bolzen festzuziehen, nahm Stunden und all meine Kraft, dabei immer daran denkend, dass ein Hai mich als ein Festessen ansehen könnte. Siggi, die an Deck stand, um mich über eine Leine um meinen Leib zu warnen, war so aufgeregt, dass sie in jedem Schatten einen Hai sah und mich hochzog. Den Grund für die losen Bolzen führen wir auf Neuseeland zurück, wo wir keine Nirosta-Lockscheiben finden konnten, sondern nur elektrisch galvanisierte; die im Salzwasser bald den Schutz verloren hatten und damit auch die Effektivität. Nach getaner Arbeit sassen wir im Cockpit und ich erholte mich von der Strapaze, — und siehe da,  ein Hai, der langsam und sicher vor Erwartung einer handfesten Mahlzeit sabbernd, Thlaloca umkreiste?

     Nahe an Backbord passierten wir die Lady Elliot Insel, das südliche Eingangstor zum Grossen Barrieren Riff. Wie auf Kommando umhüllte uns eine tiefe Windstille. Das Meer glättete sich wie ein Spiegel, und die drückende Hitze wurde zur Plage. Ab und zu starteten wir unseren Aussenbordmotor, um einen Windhauch zu spüren. Mit den zwei oder drei Litern Benzin, die wir meistens mitführten, war dieser Zauber auch bald vorüber. Wir liessen uns treiben.  

     An Seekarten hatten wir immer herzlich wenig, und die, die wir für diese Gegend hatten, war früheres Eigentum der Kaiserlichen Deutschen Marine, mit letzter Korrektur im Jahr 1914. Die Karten waren mit feiner Leinwand verstärkt und folglich ewig haltbar. Sie wurden uns von einem Mann in Neuseeland geschenkt. Angeblich stammten sie von einem deutschen Segler, der 1936 dieses Land besuchte und dort verstarb. Als Freund wurde er Erbe seines mageren Eigentums.

     Unser Ziel, die Stadt Gladstone, lag noch in weiter Ferne, und es war vorauszusehen, dass es mit Flaute und leeren Tanks schwer sein würde, in absehbarer Zeit einen Hafen zu erreichen. Anstatt herumzutreiben und womöglich auf ein Riff zu laufen, mussten wir eine akzeptable Wassertiefe finden, um zu ankern. Ein kleiner Fischkutter kam auf uns zu und wollte wissen, ob wir in Seenot wären? Wir erklärten unsere Situation in Bezug auf einen Ankerplatz. Der Skipper gab uns einen Teil einer ausgedienten und verschmutzten, Seekarte. Auf dieser Karte zeigte er uns eine Bucht mit dem Namen Pancake Bay, angeblich ein guter Ankerplatz. Aber dort hinzukommen, blieb für uns ein ungelöstes Problem. Wir trieben weiter! 

 

     Spät nachmittags erschien der Fischkutter wieder, nahm uns auf den Haken und schleppte uns in die genannte Bucht. Wir wollten auf Wind warten. Der Kutter ankerte ebenfalls dicht bei uns. Kurz darauf kam deren Beiboot mit drei Insassen längsseits. Sie stellten sich vor als Roy und Cliff Perry, und ein älterer Mann mit Namen Joe. Wir bedankten uns für ihre Hilfe, und luden sie ein an Bord zu kommen. Deren Überraschung war total als sie erfuhren, dass wir von Übersee her kamen, und dass unsere Flagge die kanadische ist. (Die kanadische Flagge wurde zu jener Zeit erstr kurz vorher vom kanadischen Parlament als neue Landesflagge verabschiedet. Sie hatten den Eindruck, es sei ein Stander eines lokalen Yachtclubs. (Es war Thlaloca, die die neue Flagge als erste Yacht um die Welt führte.)

     Wir alle gingen an Land, wo ein Einsiedler mit seinem Hund eine verwahrloste Behausung bewohnte. Anscheinend war der Mann sehr beliebt, denn die Perrys brachten ihm allerlei notwendige Lebensgüter. Dass diese Person ein ehrenwerter Mann war, zeigte sich auch daran, dass er uns sofort Tee anbot. Und als das Gespräch unsere Situation berührte, bot er uns sofort zehn Liter Benzin mit Behälter an und verweigerte vehement eine Bezahlung. (Später gaben wir Roy einige Dollar und baten ihn, nötige Sachen für den Einsiedler zu kaufen.) Nachdem er Trinkbecher vor uns stellte und wir bemerkten, wie schmutzig sie waren, dazu unzählige Kakerlaken die überall herumliefen, wurde uns echt übel. Sehr diplomatisch versuchten wir uns aus dieser heiklen Situation zu retten aber er bestand darauf, dass:

      “No one leaves my place without having a good cuppa”. (Keiner verlässt mein Haus ohne einer guten Tasse Tee.)

      Wir waren in Schwulitäten, was nun? Der gute Mann verlies „die Wohnung“ um Feuerholz zu holen. Siggi nahm die Becher und lief geschwind runter zum Strand, wo sie mit Sand den meisten Schmutz entfernte. Die Becher waren nicht wiederzuerkennen. Als der gute Mann sie sah meinte er, „Es war nicht notwendig, eure eigenen Becher mitzubringen!“ Die Wahrheit darüber konterte er mit dem Ausdruck:

     „The tea will never taste the same again!“(Der Tee wird niemals wieder so gut schmecken, wie vorher!)

     Wir verliessen den guten Mann mit dem Eindruck, dass er uns so leicht nicht verzeihen wird. Auf dem Rückweg zu unseren Booten boten uns die Perrys einen Schlepp nach Gladstone an. Sofort lichteten wir die Anker. Es wurde schon dunkel, aber mit erstklassigen Piloten als Pfadfindern, war unsere Navigation weiter nichts als dem Heck des Kutters zu folgen. Etwa um 19:30 Uhr waren wir längsseits eines Ausflugschiffes vertäut. Nach einem 21-tägigen Törn hatten wir den ersten ungestörten Nachtschlaf.

     Am folgenden Morgen hissten wir — wie jeden Morgen — die Flagge. Es schien, als ob das Maple Leaf (Ahornblatt), das Wahrzeichen Kanadas, den meisten Neugierigen als Rätsel beeindruckte.

       „Welche Flagge ist das?“

       „Die neue kanadische, mein Freund!“

       „Noch nie gesehen!“

Wirklich amüsant entwickelte sich folgendes Gespräch zwischen zwei Personen, dem wir in unseren Kojen lauschten:

      „Schau dir diesen Wimpel an? Weis der Teufel, was der zu bedeuten hat“.

      „ Ich bin mir sicher, es ist eine Flagge von irgendeinem neuen Staat in Afrika!“

     Roy Perry hatte unsere Ankunft schon den einzelnen Ämtern gemeldet, und bald erschienen Beamte bewaffnet mit vielen Unterlagen, die wir ausfüllen mussten. Diese wurden uns beim Ausklarieren in einem versiegelten Umschlag überreicht, mit der Forderung sie bei jedem Zollamt entlang unseres Reiseweges in Australien überprüfen zu lassen.

     An numero uno in unserer Liste „Nötige Reparaturen“ stand der Flossenkiel. Bei Hochwasser legten wir Thlaloca an einem Steg, und bei Niedrigwasser ersetzten wir alle Bolzen. Gleichzeitig wurde das Unterschiff mit Kupferfarbe neu gestrichen.

     Roy machte uns den Vorschlag, wir könnten unser Boot längsseits seines im Fluss festmachen, und sein Beiboot zum Pendeln benutzen. Nun kannten wir bislang Fischerboote: von denen hielten wir uns, wegen des Gestanks und der Ungeziefer lieber fern. Ganz das Gegenteil jedoch war Perrys Boot. Der Beweis ist Siggis empfindliche Nase, die trotz  intensiven Schnupperns keine abnormalen Tendenzen aufspüren konnte.

     Die meiste  Zeit unseres Aufenthaltes in Gladstone verbrachten wir mit den Perrys, die uns täglich zu Mahlzeiten und Ausflügen einluden. Die Ausflüge waren ein besonderer Genuss, denn wir sahen viel von der Schönheit und der kulturellen Vielfalt dieses phantastischen Kontinents, wo man innerhalb einer Tagesreise das saftige Grün des Hochlandes und die von der Sonne zernarbte Wüste erleben kann. Ein bemerkenswertes Attribut dieser robusten Australier, die wir kennen lernten, war die anfängliche Zurückhaltung. Ganz im Gegenteil zu dem, was wir bislang erlebten. Eigentlich liegt diese Charaktereigenschaft nahe unserer deutschen, die nicht gleich mit halleluja ewige Freundschaft schwört. Die Evolution zur Freundschaft entwickelte sich langsam. Aber hat man deren Test bestanden, konnte man sich als Lottogewinner fühlen. Sie entspricht einem englischen Sprichworts: „A fast friendship never lasting. One that is slow is forever.” (Eine schnelle Freundschaft hält nicht lange. Eine, die sich langsam entwickelt, ist für immer!)

     Zaghaft fragte uns Roy, ob wir zur Kirche gehen möchten. Spontan sagten wir zu. Es war höchste Zeit, dass wir unseren Herrgott für all das Gute danken, und IHN durch Beten erinnern, dass er uns auch in Zukunft beschützen möge. In der Kirche wurden wir als Seeleute aus einem fernen Land vorgestellt. Die Gemeinde bestand in der Mehrzahl sicher aus Fischern und deren Familien. Die Andacht adressierte alle Seeleute. Der Pfarrer war jung, und mit fester Stimme wählte er Worte, die auf direktem Kurs in unsere Herzen gelangten. Von Sturm war die Rede, von Seenot, von Überlebungskampf, von Licht am Ende eines dunklen Tunnels, von der gütigen Hand Gottes, die hilft, das unangenehme zu lindern. Siggi war total hingerissen, ihr Gesicht mit Tränen benetzt. Es nahm all ihre Kraft, um nicht laut zu schluchzen. Emotional haben wir so etwas noch nicht erlebt. Und so imponiert waren wir, dass wir des Pfarrers Einladung zum Dinner kaum abwarten konnten. 

     Dieser Mann war ein Meister der Predigt. Während des Dinners erfuhren wir, dass er auch ein Meister der Erzählungskunst war; unterstützt von seiner reizenden Frau und ihrem begabten Sohn. Sie hatten mehr als zwei Jahre das harte Leben in den Outbacks verbracht. Dieses Erlebnis verbleibt uns als eines, das uns am meisten beeindruckte.

     Während eines Landgangs entlang des Hafens sichteten wir zwischen den lokalen Yachten wohlbekannte Masten. Bei naherem Hinblick, war es tatsächlich die französische Yacht Saint Briac, die wir zuletzt in Suva getroffen hatten und vorher unser Nachbar in Papeete, Tahiti, war. Sofort ging es an Bord, um unsere zwischenzeitlichen Erlebnisse auszutauschen. Wir erfuhren, dass sie lange Zeit in Brisbane verbracht hatten, und von dort, per Passagierschiff, Japan besuchten. — Man kann ja doch viel unternehmen, wenn man viel Geld hat!

     Wir besprachen, entlang des Grossen Barrier Riffs soviel wie möglich zusammen zu segeln. Das hiess: Eintausend Seemeilen im Schutze des grössten Riffes der Welt bis zur Torres Strasse, die Meerenge zwischen Australien und Neu Guinea.  

Entlang des Grossen Barrieren Riffes

     Es war Segeln wie es sein soll, welches ja viel zu oft zu wünschen übrig lässt wie wir erfahren mussten. Thlalocas Bug furchte das apfelgrüne Wasser — das Markenzeichen des Grossen Barrieren Riffes — mit hoher Bugwelle, und doch so sanft und still, als ob wir auf einem geschützten See segelten. Ab und zu verfärbte sich das Wasser. Eine Untiefe? Aber nein, es war eine Wolke, die kurz das Sonnenlicht verdeckte. Manchmal war es Korallenstaub (lokaler Jargon), der das Wasser trübte. In jedem Fall betrachteten wir dies als unangenehme Einmischung in eine ansonsten perfekte Welt.

      Einen nicht gerade perfekten Ankerplatz fanden wir im Lee der  Brampton Insel, wo das seichte Wasser weit weg vom Land reichte. Nun, so lange kein starker Wind aufkam, lagen wir sicher und geschützt.

    Ein Motorboot kam auf uns zu. Man überbrachte uns ein Einladung für die Island Night im dortigen Ressort. Der Bootsmann würde uns vor Beginn des Festes abholen. Eine Bitte war, wir sollten uns so gut wie nur möglich als Südsee-Insulaner kleiden.

     Das war für uns, besonders für Siggi gar kein Problem. Aus unserer Sammlung wählte Siggi ein Hula-skirt und Perlen Ornamente. Von einer echten Vahine war sie nicht zu unterscheiden. Das Ressort war in dieser Art festlich geschmückt. Aber was uns wirklich imponierte waren riesengrosse Grillöfen, wo Duzende von Steaks auf einmal ihren wohltuenden Duft verbreiteten. Wie viele von diesen leckeren Steaks ich verzehrt habe, will ich nicht verraten. Auf jeden Fall waren am folgenden Tag ausgedehnte Spaziergänge nötig, um die angehäuften Kalorien zu verarbeiten. Bei dieser Gelegenheit erspähten wir viele Ziegen, die vor hundert Jahren oder länger von der Britischen Regierung auf den Inseln ausgesetzt wurden, um etwaige Schiffbrüchige mit Nahrung zu versorgen. Infolgedessen sind Ziegen heute in der Überzahl und müssen „künstlich“ reduziert werden. Die Frage bleibt, wie ein Schiffbrüchiger, ohne Waffe, diesen scheuen Tieren überhaupt nahe kommen sollte.

      Weiterhin nahmen wir das grosszügige Angebot des Managers Fiz Mclean in Anspruch, seine Gäste zu sein so lange wir vor Anker liegen, um mit dem ressorteigenen Schiff, die M.V. Batja, eine Tagestour entlang der Whitsunday Passage zu unternehmen. Diese Gegend wird allgemein als die schönste im Grossen Barrier Riff gepriesen. Und dass es ein wirkliches Erlebnis ist, können wir bezeugen. Auch besuchten wir Dent Island, wo zwei Damen Korallenschmuck zum Verkauf anboten. Die dargebotenen Exemplare waren exquisite Stücke zu hohen Preisen. Wir vermuten, dass das Handeln dieser Ware heute drastisch unterbunden wird. Auch sei bemerkt, dass der Tourismus damals vielerorts erst zaghaft im Aufbau war—und im Grossen Barrier Riff besonders.

    Nördlich von Cooktown, auf halbem Weg, wurde Segeln sehr einsam. Andere Yachten gab es bislang, angefangen in Kalifornien, fast überhaupt keine. (Was damals zu wenig waren, sind heute zuviel!) Die Gegend war vielerorts trostlos. Auf Hunderte von Meilen wohnte kein Mensch. Die Küste war Sand und Geröll. Das Land erlebte zu jener Zeit die grösste Trockenperiode in der Geschichte. Hunderttausende Schafe und Rinder verdursteten. Kolonnen von Freiwilligen zogen durch das Land und gaben den erschöpften Tieren den Gnadenschuss. Das Grosse Barrier Riff ist auch Tummelplatz grosser Haie. Ein guter australischer Freund gab uns aber gleich am Anfang einen guten Tip: „Wir Australier haben ein Bündnis zwischen Mensch und Hai: Wir meiden deren Wasser, sie unseren Baderaum!“ 

Cooktown 

Perlenfischer

Reperatur am Ruder

Phote Didier aus der Sichtweite der St Briac

     Nach Verlassen von Gladstone, erreichten wir die Torres Strasse in zwei Monaten. Der Hauptort, die Donnerstag Insel, war Heim der Perlenfischer, die mit ihren Schonern im Schutze des Grossen Riffes nach dem begehrten Schatz suchten. Die Muschel selbst (in der ab und zu eine wertvolle Perle gedeiht) wurde als Perlmutt in den Handel gebracht und war begehrt für Knöpfe, Schmuck, usw. Die Erfindung von Plastik versetzte dieser Industrie den coup de grâce. Von der einst grossen  Flotte, verblieben nur wenige. Dann kamen die findigen Japaner, die der Industrie mit künstlichen Kulturen wieder Aufschwung gaben.

      Der unbestrittene Wert der Insel sind ihre Einrichtungen, welche dem reibungslosen Schiffsverkehr zwischen zwei Weltmeeren dienen — Pazifik und Indischer Ozean. Wir nahmen uns die nötige Zeit, unser Schiff für die 7000 Seemeilen Reise bis Südafrika gründlich vorzubereiten.

Thlaloca    Kapitel XIII